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Fast 20 Jahre danach

(elkement. Erstellt: 2014-12-18. Tags: Promotion, Sub Auspiciis, Rede, Leben, Arbeit, Sinn, Rede, Nostalgie, Rückblick)

Auf dieser Website werden praktisch nur zwei Begriffe gesucht: sub auspiciis und subversiv. An den Spikes in der ansonsten eher bescheidenen Zugriffsstatistik dieser Website kann ich ablesen, wann wieder eine Promotion sub auspiciis stattgefunden hat.

Vor genau 20 Jahren, in einem kalten Dezember 1994, haben wir - zwei der zukünftigen Promovenden der Sub-Auspiciis-Class-of-1996 in London. Wir haben genetzwerkt, was das Zeug hielt. Den Abschluss der Dissertation in Reichweite stellte sich die Frage: Was dann? Ein wesentlicher Teil unserer auch in der Doktorarbeit verwerteten Forschung war Teil eines EU-Forschungsprojektes. Ich lernte mehr über Projektcontrolling, Buchprüfung und Verhandlungstaktik als mich damals - als Fan der reinen Wissenschaft - interessiert hätte. Rückblickend vielleicht die wertvollsten employable skills, die ich mir aneignen konnte. Und die zermürbende perfektionistische Paper-Schreiberei war keine so schlechte Vorbereitung auf das Verfassen politisch brisanter Dokumente.

Ein internationales angewandtes Forschungsprojekt bedeutet auch, internationale Industriebetriebe zwanglos kennenlernen zu können. Ganz abgesehen von den kulinarisch opulenten Projektmeetings in Städten wie Athen, Grenoble und Stockholm. Und in London waren wir dann, um eine schlaue Strategie auszutüfteln: gemeinsam mit einer dieser Firmen Projektanträge zu stellen (je einen pro Person) im Rahmen eines EU-Programmes namens Training and Mobility of Researchers. Warum wir uns nicht einfach beworben haben, weiß nicht mehr. Wahrscheinlich hätte dies ebenso frustrierend geendet wie die Bewerbungen bei den anderen befreundeten Projektpartnern - nachdem dieser geniale Plan A nicht aufging (Thanks - I have forwarded your application to the recruting department!). Aber ich habe soeben die ganze Spannung verfrüht zusammenbrechen lassen!

Wir haben Stunden darauf verbracht, mit steinzeitlicher EDV-Technik Textblöcke auf Vordrucken an die richtige Stelle zu bringen. Wir haben eine Referenz in einem verschlossenen Umschlag eingeholt - zum Thema: Wie erfolgreich wären wir mit diesen Projekten? Leider konnten wir den Text durch den supergeheimen Umschlag dann doch lesen, was nicht unbedingt zur Motivation beigetragen hat und zur einer optimistischen Einschätzung dieses Antrags. Was aber letztendlich völlig egal war, da wir diesen dann nie nach Brüssel geschickt hatten. Die hosting organization kam auf die Idee, mit weiteren jungen Wissenschaftlern solche Anträge auszuarbeiten. Der Finance Director hätte diese Antragslawine dann formal unterschreiben müssen. Was er nicht tat. Was mit dem heuten Wissen über Entscheidungsprozesse  in global corporations - eigentlich völlig logisch und absehbar. Quite an experience.

Also: die Zähne zusammengebissen und die Dissertation fertiggestellt! Und zwar unter Ausnutzung einer Sonderregelung: Eng verzahnte Arbeiten dürfen als ein einziges Werk abgegeben werden, wenn die Verantwortlichkeiten für einzelne Abschnitte angegeben werden. Es gab also nur eine Dissertation und nicht diese grandiose letzte Einzelleistung vor der programmierten Karriere als academic highflyer. Unter anderen darauf bezog sich auch die Betonung der Teamleistung in meiner Rede. Und auf ein ganz besonderes Team von Technikern - die legendäre Fump-Runde. Fump ist das Geräusch, das eine Colaflasche macht, wenn man den Deckel auf sehr spezielle Weise mit einer Rohrzange entfernt.

tl;dr Aber alles ging gut aus. Wahrscheinlich lag es an diesem wunderbaren Doktorhut, den unsere Kollegen uns gebastelt hatten:

Doppel-Doktorhut, Unikat
(31. Oktober 1995, Uni Linz, Institut für Angewandte Physik, nach dem Rigorosum)

Ich würde dieses Update heute nicht schreiben, wäre ich nicht in so weihnachtlich-versöhnlicher Rückblicksstimmung. Viele berufliche Stationen später kann ich meinem früheren Ich in den meisten Punkten recht geben. Diesen Unterton von Ich bin so gut und so idealistisch, die Welt schuldet mir etwas! habe ich habe hoffentlich abgelegt.

Nassim Taleb hat in The Black Swan und Antifragile überzeugend dargelegt, dass Ausreißer zu echter Zufälligkeit gehören. Versuche, die Gründe für den Erfolg von Bill Gates oder Steve Jobs zu finden, fallen unter narrative fallacy. Die Betonung von Glück und Zufall in Zusammenhang mit Höchstleistungen kann ich nur wieder betonen. Das gilt insbesondere für die schwer fassbare subjektive Anerkennung durch 'die Gesellschaft'. Dilbert-Schöpfer Scott Adams sucht in einem autobiographischen Buch How to Fail Almost Everything and Still Win Big auch nach Gründen für seinen Erfolg - und findet diese in einer Aneinanderreihung fast absurder Zufälle. Wenn überhaupt, so fruchtet die Suche nach Mustern - Patterns - ohne diese begründen zu wollen. Sollte eine 'Strategie' Erfolg haben, ist es der Versuch, in wesentlichen Entscheidungen des Lebens immer die Variante zu wählen, die mehr Optionen offen lässt. Venture Capitalist und Unternehmer-Philosoph Randy Komisar (The Monk and the Riddle - The Art of Creating a Life While Making a Living) verwirft die Suche nach der einen selig machenden Leidenschaft und setzt an deren Stelle ein Portfolio of Passions. Damit hätte ich vor zwanzig Jahren Null anfangen können. Mein vermeintlicher Frühstart als zielstrebige Studentin die weiß, was sie will hat mich nicht davor bewahrt, einige Dinge auch ausprobieren zu müssen: um beurteilen zu können, worum es überhaupt geht, in der Wirtschaft und Arbeitswelt, und vor allem um überraschende Erkenntnisse über meine eigenen Präferenzen zu gewinnen.

Abgesehen von den matrix-artigen Bewertungs-Sheets der HR-Bots als Job-Einstiegshürde oder der Selbstbeschäftigung administrativer Abteilungen mit Scorecards und Performance Reviews bewertet niemand Erfolg nach Punkten und goldenen Sternderln. (Nicht, dass ich diese Gefahren der Skill-Matrix für unsere Zivilisation und Kultur unterschätzen würde.) Ich sage gerne, ich war lange erfolgreich in jenem Bereich, in dem ich keine formale Qualifikation habe - in der IT Security. Erstens nimmt das den Dafür-hättest-aber-keinen-Doktor-in-Physik-machen-müssenen-Argumentierern den Wind aus den Segeln. Außerdem habe ich mir den Ethos der Hacker-Community zu Eigen gemacht, Andere nur nach im jeweiligen Augenblick unter Beweis gestellte Kompetenz zu beurteilen. Ich bin dankbar, dass ich genau deswegen akzeptiert wurde - von den Geeks in ihrer leicht artifiziellen Welt von Shared Offices in grau und Glas, behübscht mit Windows-XP-Häferln und leuchtenden Konferenz-Gadgets (Ja, ich bin ein Fan von Douglas Coupland). Ich hoffe, dass der grassierende Zertifizierungs-, Akademisierungs- und Qualitätswahn diesen Zugang nicht ersticken wird.

1996 hatte ich einen zunehmend brutaleren Verdrängungswettbewerb kritisiert, den eher der Skrupellosere als der Kompetentere gewinnt. In einem Kommunikationsseminar habe ich zwischendurch gelernt, wie Konflikte zustande kommen: durch Abhängigkeit. Ohne emotionale oder finanzielle Abhängigkeit gäbe es keine Probleme in Familien oder im Job. Der Theorie nach gibt es drei mögliche Reaktionen: Flucht, Kampf, oder die optimale Win-Win-Situation. Ich denke, es gibt die offensichtlichere Lösung der Suche nach der Ursache der Abhängigkeit und ihrer Auflösung. Das ist pragmatisch gemeint, und nicht spirituell.

Ich bin mittlerweile seit neun Jahren selbstständig, als stolze 50% unseres Zwei-Personen-Unternehmens: Als IT-Unternehmen gegründet mit sehr speziellen Schwerpunkten (meiner: Public Key Infrastructure) zu einem perfekten Zeitpunkt, deutlich vor der Wirtschaftskrise, aber mit genügend Branchenerfahrung und Reputation. Kurz vorher hätte ich die Option gehabt, wieder in die Wissenschaft zurückzukehren - und habe nach einer schlaflosen Nacht ein ehrenvolles Angebot abgelehnt. Das Thema wäre aus damaliger Sicht perfekt gewesen - an einer Schnittstelle zwischen Physik und IT Security. Aber mein Bauchgefühl und eine Plus-Minus-Liste sagte mir, dass die Art wie ich arbeite mindestens so wichtig ist wie ein packendes Thema.

Einige Jahre, viele Flugkilometer und mehr oder weniger aufregende Geschichten von Live-Implementierungen und heldenhaften Rettungsaktionen (... das war jetzt noch nicht die gewünschte Art des Arbeitens! ...) hatte ich in der Weihnachtspause 2010 diese fadenscheinige Aus-persönlichen-Gründen-muss-ich-leider-E-Mail immer noch nicht geschrieben. Aber wenn man anfängt Leute zu beneiden, die die Wirtschaftskrise oder gesundheitliche Gründe zu einem Neustart gezwungen haben - dann kann etwas nicht stimmen.

Der Plan, soweit vorhanden, war: Zurück zu Wurzeln, Technik wieder mehr zum Angreifen, weniger Kerosin verbrennen, sinnvolle Projekte statt armen Hamsterkollegen im Rad zu helfen, die politische Deadline zu schaffen in dem eine Sicherheitsinfrastruktur bis zum Tag X fertig ist. Unterschätzt habe ich den persönlichen Wert der Security-Community für mich - siehe oben - und mich ins Unbekannte gestürzt: Unser Hobby-Projekt eines Wärmepumpensystems mit Eisspeicher wird zu einem strategischen Forschungsprojekt (komplett ohne Förderungen, worauf wir sehr stolz sind), und ich begann 'post-graduate' noch ein Masterstudium an der Fachhochschule Burgenland. Energietechnik von der Pike auf lernen. Ich habe somit an der Uni und an der FH studiert, und auch an diesen Organisationen unterrichtet - wenn auch nicht in der erwarteten Reihenfolge.

Auch wenn ich es damals negativer gemeint habe, ich glaube es immer noch: Eine wichtige Erkenntnis, die ich daher aus einigen Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit gewonnen habe, ist, dass man nie eine Arbeit in Angriff nehmen sollte mit dem Ziel, irgendwann dafür Anerkennung zu erhalten. Heute erlebt ja die Stoische Philosophie - und antike Philosophie generell - eine Renaissance, von der ich hoffe, dass sie nicht zu sehr in einem Management by [Irgendwas] enden wird.

2014 war ein Jahr ohne Planung und ohne Erwartungen. Increasing Success by Lowering Expectations. Letztes Jahr hatte ich mein Studium abgeschlossen. Ja, eh, wieder mit goldenen Sternderln. Dann ein Aufblitzen von akuter Geek-Nostalgie... wenn nur in kleinen Dosen konsumiert,  genieße ich jede Sekunde der Security-Projekte. Der neue Geschäftszweig wächst, sehr langsam, aber doch. Kunden finden tatsächlich unser so genanntes Business-Blog lesen: dieses ist nicht immer als solches erkennbar nach Aussagen von Bekannten (Ach so, ich dachte, das ist Privatvergnügen?), aber seelenverwandte Tüftler und Siedler fühlen sich angesprochen.

Was würde ich meinem früheren Ich sagen? Konnte ich meine naive Vision von der Verbesserung der Lebensbedingungen auf diesem Planeten leben?

Ich konnte meinen ökologischen Fußabdruck deutlich verkleinern durch praktisch Null Flüge und den Umstieg auf Remote-Abwicklung von Projekten. Das gilt auch für die Wärmepumpenplanung! Im Gegenzug hat sich meine Work-Life-Balance unglaublich verbessert - wobei es nicht um die Trennung von 'Leben' und 'Arbeit' geht. Ich habe keinen Stress mehr. Ganz laut traue ich mich das fast nicht zu sagen - nur auf dieser Website, die keiner liest.

Ich arbeite an einer ungewöhnlichen Kombination von Spezialgebieten -  digitale Zertifikate und Wärmepumpen mit ungewöhnlichen Wärmequellen - eine Konsequenz einer langen Entwicklung. Lange habe ich versucht, die Verbindung zu erklären - Smart Grid, Infrastruktur hacken, Steuerungen (speziell letztere sind auch unser Thema). Aber das Beste ist eigentlich, es nicht mehr erklären zu müssen. Ich schätze die kurze Feedbackschleife: Kunde braucht etwas, wir liefern es. Keine Grundlagenforschung / keine Rocket Science, dafür auch keine Abhängigkeit von Fördergeldern. Nach einer langen Zeit von hektischem Training-on-the-Job und dann der Rückkehr auf die Schulbank fühle ich mich wieder als gemütlich selbst lernender Dilettant im eigentlichen Sinn des Wortes.

Wieder eine akademische Feier - 2013 in Pinkafeld
(18. Oktober 2013)

Landeshauptmann Pühringer war in Vertretung von Bundespräsident Klestil anwesend. Ich hätte die Rede vorher schriftlich einreichen sollen, was ich nicht gemacht habe. Steht aber so im Sub-Auspiciis-Gesetz.

Lieber Herr Landeshauptmann, liebe Festgäste,

zuerst möchte ich mich bei allen Vorrednern für ihre Worte bedanken. Sie als Vertreter des offiziellen Österreich und der Universität geben uns als Absolventen das Gefühl, eine besondere - und vor allem sinnvolle - Leistung vollbracht zu haben. Nach 12 Jahren schulischer und universitärer Anstrengungen könnten wir somit feststellen, dass Talent sich immer durchsetzt und Ausdauer sich immer bezahlt macht.

Ganz bewusst sage ich '...könnten wir feststellen...', da ich in diesem Moment insbesondere an Kollegen denke, die nur sehr knapp an der Sub-Auspiciis-Auszeichnung vorbeigeschrammt sind. Ich würde jetzt nicht vor Ihnen stehen, wenn ich in der 5.Klasse Mittelschule den ausgezeichneten Erfolg nur um einen Zweier versäumt hätte. Ich weiß, man kann auch die Bronzemedaille bei olympischen Spielen nur um eine Hundertstel Sekunde versäumen - jede Form einer quantitativen Leistungsbeurteilung verlangt nach einer Art Qualifikationsgrenzlinie.

Ich kann mir aber vorstellen, wie es wäre, auf der anderen Seite dieser Linie zu stehen. Und ich bin mir bewusst, dass auch das notwendige Quäntchen Glück, die sprichwörtliche blede Masn im richtigen Moment auf meiner Seite war. Ich werde jetzt keine Lanze für die Leistungsgesellschaft brechen und für schärfere Selektion und Begabtenförderung etc. eintreten. Ich sehe in dieser Auszeichnung in erster Linie einen Arbeitsauftrag ganz anderer Art für mich selbst. Wir werden heute ausgezeichnet für analytisches Denken, fachliche Kompetenz und Durchhaltevermögen; als Menschen qualifiziert uns der Ring des Präsidenten aber noch nicht.

Gerade ein Sub-Auspiciis-Absolvent muss beweisen, entgegen dem Streber-Klischee ein ganz normaler Mensch zu sein, und sich mit anderen normalen Menschen frei von akademischem Standesdünkel normal unterhalten zu können. Man kann sich den Respekt von Kollegen und Mitarbeitern nicht durch das Etikett Sub Auspiciis verdienen (übrigens auch nicht durch das Etikett Akademiker), sondern nur durch die in dem jeweiligen Augenblick unter Beweis gestellte Kompetenz. Bzw. dadurch, auch die Kompetenz anderer sogenannter weniger Gebildeter auf ihrem Gebiet anzuerkennen. Und vor allem dadurch, eigene Fehler und Wissenslücken zuzugeben.

Von diesen Gedanken war ich auch bisher immer überzeugt. Anders verhält es sich mit meiner Einstellung zu Aussagen wie Gute Leute finden immer einen Job. Zu den demotivierendsten Dingen im Leben eines fertigen Physikers gehören heute die Karriere-Seiten der Tageszeitungen. Hier könnte man sagen: 'Täglich nichts'. Wer als Physiker in einer interessanten Position arbeiten möchte, benötigt nicht nur die geeignete Qualifikation, sondern vor allem ein Heer von Schutzengeln.

Elke Stangl, Rede zur Promotion
(8. Oktober 1996, Universität Linz)

Am Beginn meines Studiums waren laut Informationsbroschüre der Arbeiterkammer die Arbeitsmarktchancen für Physiker noch intakt. Damals habe ich geglaubt, das größte seelische Problem eines Forschers würde es sein, die Folgen seiner Entdeckungen abzuschätzen und die Weitergabe von Ergebnissen ethisch zu rechtfertigen; Stichwort Atomspaltung und Gen-Kartoffeln. Mir ist heute klar, dass sich nur wenige Physiker den Luxus solch philosophischer Gedanken leisten können, da sie zuerst einmal mit ihrer Existenzangst das eigene Überleben betreffend fertig werden müssen.

Wenn man dann das Glück hat, interessante und zudem lukrative Aufträge zu erhalten, können die Folgen einer Entwicklung meist nicht wirklich abgeschätzt werden: Man entdeckt heute nicht mehr – wie in einem Science-Fiction-Film – die ultimative Weltformel, sondern liefert als relativ kleines Zahnrädchen einen kleinen Beitrag in einer unüberschaubaren Forschungs- und Entwicklungsmaschinerie. Was ich nicht als primär negativ sehe, sondern als Zeichen unseres explodierenden Wissens. Leider führt diese zunehmende Spezialisierung der Fachgebiete dazu, dass am Arbeitsmarkt eher gerade aktuelle Spezialkenntnisse gefragt sind als das berühmte technische Allgemeinwissen des Physikers.

Mein Dank gilt an dieser Stelle daher allen, die in irgendeiner Weise zum Gelingen des schwierigen Experimentes Überleben am Arbeitsmarkt beigetragen haben. Ich wurde an dieser Universität sehr gut auf meine jetzige Tätigkeit vorbereitet. Das Forschungszentrum Seibersdorf ist aber auch im Moment einer der sehr wenigen außeruniversitären Arbeitgeber in Österreich, die einen Physiker wirklich auf Grund seiner Qualifikation als Physiker schätzen. Ich glaube, ich würde es mir es mir zu leicht machen, wenn ich jetzt versuchen würde, Ihnen eine Patentlösung für das Problem Arbeitslose Physiker anzubieten; ich möchte eigentlich nur ein paar Fragen in den Raum stellen: Warum wird in Österreich im internationalen Vergleich so wenig in Forschung und Entwicklung investiert? Und warum wird in wirtschaftlich schlechteren Zeiten zuerst bei Forschung und Entwicklung gekürzt, wenn doch nur ständige Innovation das langfristige Überleben sichert?

Warum haben wir im europäischen Durchschnitt eine zu geringe Akademikerquote, obwohl es nicht genug Arbeitsplätze für diese Akademiker gibt ?

Warum wird höhere Qualifikation von Arbeitskräften als Heilmittel gegen die Arbeitslosigkeit gepriesen, wenn man als promovierter Physiker als hoffnungslos überqualifiziert gilt ? Und warum sollen die sogenannten 'guten Leute' nur prädestiniert für die Universitätslaufbahn sein? Vielleicht weil sie in der Industrie keine Chance mehr haben?

Streng genommen, müssten heute schon 10- bis 14-jährige Informationen darüber erhalten, welche Qualifikation in 10 Jahren benötigt wird, um die richtigen Weichen in ihrem Leben stellen zu können. Es wird immer wichtiger, möglichst früh damit zu beginnen, den eigenen Marktwert einzuschätzen und zu erhöhen. Und vor allem, sich selbst als PR-Manager in eigener Sache gewinnbringend zu verkaufen. Diese Entwicklung mag vielleicht positiv zur Bewusstseinsbildung in Richtung unternehmerisches Denken beitragen, das in Österreich mit Sicherheit zu wenig ausgeprägt ist.

Ich sehe aber darin aber vor allem einen Trend zu einem zunehmend brutaleren Verdrängungswettbewerb, den eher der Skrupellosere als der Kompetentere gewinnt. Diese Selektion wird nicht unbedingt Persönlichkeiten in Spitzenpositionen bringen, die in der Lage sein werden, die stark miteinander vernetzten Probleme unserer Zeit wirklich zu bewältigen. Ich bin überzeugt, dass diese Probleme nur durch eine Koordination und Fokussierung von Anstrengungen auf allen Gebieten gelöst werden können - also durch eine tatsächliche Zusammenarbeit. Generell habe ich aber das Gefühl, dass es in der Wissenschaft zu oft um die Profilierung von Einzelpersonen geht. Die wissenschaftlich-akademische Arbeit birgt für den einzelnen die Gefahr, zu einem klassischen egoistischen Einzelkämpfer zu werden. Die Gefahr liegt in meinen Augen überhaupt nicht in der Beschäftigung mit Technik und Naturwissenschaft. Naturwissenschaftler sind nicht zwangsläufig gefühlsarm und introvertiert.

Das Problem liegt eher in der Natur der Dokumentation und Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen. Die Dissertation, die am Anfang der wissenschaftlichen Laufbahn steht, gilt immer noch als Leistung eines einzelnen bzw. soll zumindest so dargestellt werden. Interessanterweise ist eine der wesentlichen in der Wirtschaft erwarteten Fähigkeiten aber die Fähigkeit zur Teamarbeit. Danke daher an alle Mitarbeiter der Abteilung für Angewandte Physik, die am Gelingen unserer Dissertation und unserer Publikationen maßgeblich beteiligt waren.

Obwohl auf einer wissenschaftlichen Publikation meistens ein Team von Autoren aufscheint, ist die in der wissenschaftlichen Welt maßgebliche Werteinheit die Zahl der Publikationen pro Person. Es existiert ein kunstvolles Evaluierungssystem, das Publikationen nach dem Niveau einer Zeitschrift gewichtet, auf die Zahl der aktiven Forscher in einem Land bezieht, usw. Auch die Zahl der Sub-Auspiciis-Absolventen könnte zum Gegenstand statistischer Auswertungen gemacht werden: Wäre es nicht einleuchtend, wenn eine hohe Anzahl solcher Absolventen ein Zeichen für ein niedrigeres Niveau eines Studium wäre? Wir sind ja hier z. B. vier Technik-Absolventen. Die Überlegung soll zeigen, dass diese scheinbar objektiven Beurteilungen sehr unterschiedlich ausgelegt werden können und nicht unbedingt motivierend sind für jemanden, der immer versucht, das Limit seiner Leistungsfähigkeit auszuschöpfen.

Eine wichtige Erkenntnis, die ich daher aus einigen Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit gewonnen habe, ist, dass man nie eine Arbeit in Angriff nehmen sollte mit dem Ziel, irgendwann dafür Anerkennung zu erhalten. Man muss in jedem Moment 100%ig vom Sinn der eigenen Leistung und der eigenen Ergebnisse überzeugt sein. Das ist insbesondere für einen auch experimentell arbeitenden Forscher, für den Fehlschläge zum Alltag gehören, nicht immer leicht zu verwirklichen. Danke daher an alle, die uns besonders in Augenblicken unterstützt und vor allem aufgeheitert haben, in denen noch kein unmittelbarer Erfolg oder wissenschaftlicher Ruhm abzusehen war. Insbesondere der Humor einiger ehemaliger Kollegen wird mir sicher in besonderer Erinnerung bleiben. Ich hoffe, ich konnte klarmachen, was ich für den prinzipiellen Auftrag des Wissenschaftlers halte. Mache von Ihnen werden das vielleicht als naive Vision empfinden: Wir als Wissenschaftler sollten uns immer bemühen, prinzipiell für die Sache selbst zu arbeiten – letztendlich für die Verbesserung der Lebensbedingungen auf diesem Planeten (auch wenn das sehr schwülstig klingt). Und nicht zur Befriedigung unseres persönlichen Ehrgeizes.

Mit der Hoffnung, dass Sie gerade mir in meinem Alter auch eine naive Vision zugestehen, danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
elkement [ät] subversiv [dot] at. Kontakt