Alle Postings (160)

2018

Glücklicher Saurier

Pentesten lernen

Physik und Software-Stacks

Das erste Suchergebnis

Reverse Engineering

2017

Best of 2017

Fernprojekte

Computer, Informatik und IT

Physik - die Ernte!

Subversiv? Physik?

Meine Philosophie!

Scripts erzeugen Scripts

2016

Theoretische Physik als Hobby

Selbstbezügliche Poesie

Stille Website

'Machst Du noch PKI?'

Meine Philosophie (?)

Wie wirkt Physik?

2015 ist nicht viel passiert

2015

Unaussprechliches

Selbst-Poesie

Letztes Posting...

Web-Projekt: Status-Update

Wir unterbrechen ...

Unsere Photovoltaik-Anlage

Soziale Schulden

PKI-Status-Update

Leben und Arbeit

IT-Postings

Alte Weisheiten - neue Popularität

Definition: 'Subversiv'

2014 in Büchern

Zu den Wurzeln von radices

Physik-Postings

Physiker oder Ingenieur?

Ing.-Postings

Wirkliche Expertin

2014

2014 - ein gutes Jahr

Fast 20 Jahre danach

Ingenieurs-Links

Jahresansprache

Was ist Kunst?

Bio

PKI FAQ

Worte und Google

Zertifikate und Wärmepumpen

Technet-Postings

WOP!

Leben, das Universum und überhaupt alles.

Oh-oh, kein Posting im März

Radices = Wurzeln = Roots

PKI-Probleme

PKI Ressourcen

PKI-Probleme

Arbeit

Schreiben

Was ist PKI?

Ich stehe auf den Schultern subversiver Giganten

PKI - Netzwerke - Smart Grid

Suchbegriffspoesie

Quantenfeldtheorie

Plattform für Poeten

2013 in Büchern

2013

Nutzbar machen, erklären, beurteilen

Lebensform Elke Stangl

Technologie

Was fasziniert mich an der Physik?

Naturphilosophische Praxis?

elkement and diese Site

Sind Netzwerke sozial?

Retrospektion

Newsletter-Wiederbelebung

Wilhelm Macke: Internet-Spuren

2012

Gratis, umsonst und nutzlos

Subversiver Jahresbericht

Was ist Energie?

Prof. Wilhelm Macke

Mein Leben ist ein Klischee(?)

Netzwerke (Kategorie)

Wissenschaft - Kindheitsmelodie

Freude am Klischeé

Möchtegern-Netizen

Der tägliche Untergrund

Parawissenschaften - Resümee

Profil

Parawissenschaft - Bücher

Das Element ist zurück!

Offline

PKI: Zwischenstand

2011

Warteschleife

Naturwissenschaft - Arbeitswelt

Nicht originell

Das ganze Internet...

Experte

Kurz vor einem Neubeginn

Die rote Pille

Erkenntnis

2008

Netizen (2)

2007

Das Ende

Früher einmal...

2006

Netzwerktheorie

2005

Tsunami-Physik

Nullpunktsenergie

Nr.9 - Krypton

radices.net - Internet

Hier ist der Ausgang

Element-Art

Skeptizismus und Esoterik

Der totale Spielraum

Nr.8 - Brave New Online World

Nr.7 - Wer ist DAS Element?

Moderner Networker

Liebe zur Weisheit

EPSI-Kult

EPSI

Nr.6 - The Art of Networking

Unterteilung der Physik

Ich bin ein Dilettant!

Bewusstseinserweiternd

Was ist 'subversiv'?

(Para-)Wissenschaften global

Epigonen

2004

Nr.4,5 - Welcome

Beruf, Berufung, Interesse

Nr.4 - Selbstfindung

Subversiver Römer für die Sammlung

Existenz

Parawissenschaften

Nr. 3: Internet-Apocalypse

Skeptizismus

Meta-Gefasel

Keine Ahnung von Kunst

Ur-Fragen

Umsonst

Dejavu

Bewegungsgleichung

Bildungsideal

Physik repräsentiert...

Nr. 2: Primzahl

Nerd, Geek, Techie

Nr. 1 von mindestens 42

Subversiver Newsletter

Best of Log

Netizen

Magie der Deadlines.

2003

Anstelle eines Lebenslaufes

Was ist Wissenschaft?

Captain Kirk's Lieblingsbefehl

Wissensmanagement

Keine Navigation

radices.net - Geschichte

Bücher: Meine Favoriten

2002

Elke war da

2000

Pinkes Raumschiff

1998

Worte

Goldene Talente

Lebensplanung oder Chaos

Wissenschaftliche (?) Laufbahn

1996

Rede zur Promotion

1987

Die 'heutige Jugend'

Postings zum Schlagwort 'Karriere', nach dem Erstelldatum sortiert in absteigender Reihenfolge. Alle Postings angezeigt.

Ich bin ein Experte.

(elkement. Erstellt: 2011-03-22. Tags: Leben, Arbeit, Karriere, Experte, Profi. Englische Version.)

Ein Experte ist das Gegenteil eines Dilettanten und Amateurs. (Ha! MDaisey! Grüße von ElkeS)

Ein Experte ist ein Spezialist und stolz darauf, sich von Generalisten abgrenzen zu können.

Generalisten nennen sich jene, die den Ausgang gefunden haben: den Ausgang aus der ständigen Alarmbereitschaft des technischen Problemlösers, des detailverliebten Alles-zu-Ende-bringen-Müssers. Ich bin dagegen ein echter Held des technischen Troubleshootings (Problem-Schießens?).

Ich lege Maschinen die Hand auf. Ich trage Gummihandschuhe.

Ich dringe mit meinen Gedanken ein in das digitale Nervensystem der modernen NOMADs und verfolge Ihre elektronischen Gedanken – so wie in den heran gezoomten Animationen in CSI. Dann erlege ich den Feind aus Nullen und Einsen. Es fehlt hier nur noch ein Hinweis auf HAL oder den Unwahrscheinlichkeitsantrieb. Ich bin Trillian, Lara Croft, Ms. MacGuyver.

Ich schiebe ich eine Pizza in die Mikrowelle - wie Sandra Bullock in The Net.

Ich sollte keinen Kontakt mit realen Menschen haben, sondern nur als Avatar gegenwärtig sein. Ruhm, Ehre und Geld ohne Ende erhalte ich im Gegenzug. Dankbare Blicke, Blumen und Menschen, die in meiner Schuld stehen.

Wie bin ich in dieses Paradies aller Geeks gelangt?

Und wo ist hier der Ausgang?

Beruf, Berufung, Interesse - oder die Qualen des naiven Idealisten?

(elkement. Zuletzt geändert: 2005-12-01. Erstellt: 2004-12-15. Tags: Beruf, Berufung, Karriere, Wissenschaft, Physik. Englische Version.)

Ich verstreue Beschreibungen über meinen Zugang zu Wissenschaft über das ganze Internet und versuche, das hier zu konsolidieren. Hier soll es vor allem um meinen angestammten Bereich, die Naturwissenschaften und meine Vergangenheit und Gegenwart in diesem Bereich gehen. Die Fakten findet man in meinem CV.

Meinen Interessen im Bereich der Philosophie und ihrer Beziehung zu den Naturwissenschaften habe ich ein eigenes Web-Projekt gewidmet: radices.net. Dieses Projekt ist in meine langfristige Zukunft gerichtet (was die Zeit betrifft, die ich dafür aufwenden kann) und betrifft doch meine Wurzeln (Radices).

Wissenschaft hat mich eigentlich immer schon begleitet. Als Kind habe ich mich gefragt, ob Wasser so etwas ist wie sehr feiner Sand. Ich wollte immer Wissenschaftlerin werden, Physikerin war mein Traumberuf seit ich 15 war, obwohl oder weil ich während der Schulzeit an allen Fächern gleich interessiert war. Physik war und ist für mich der Inbegriff der allgemeinsten Naturwissenschaft und erschien mir außerdem unter all meinen vielen Interessen (inklusive Geisteswissenschaften) auch unter dem Gesichtspunkt "Jobchancen" als die sinnvollste Alternative.

Als Physikstudentin und angestellte Wissenschaftlerin an der Universität habe ich mich von diesen grundsätzlichen Fragen entfernt, dafür aber einiges an Lebenserfahrung gesammelt. Die Realität in der Scientific Community war aber desillusionierend für mich, obwohl ich mich nach den Regeln des Systems sehr erfolgreich in diesem System bewegt habe und mir die wissenschaftliche Karriere auch nahe gelegt wurde. Ich habe aus meiner ambivalenten Haltung aber nie ein Hehl gemacht (Rede zur Promotion, Festschrift zum 25-Jahr-Jubiläum meiner Schule) und versuche auch heute wieder, als aktive Komponente in diesem System etwas zu verändern.

Mir geht es darum, immer mehr alle meine Interessen gleichzeitig in ein verästeltes Projekt zu packen. Als IT-Expertin gehe ich Probleme immer noch wissenschaftlich an und entdecke als Ausgleich die Beschäftigung mit grundsätzlichen wissenschaftlichen Fragen neu (z.B. Quantenkryptographie).

Ich sehe mich nach wie vor als Wissenschaftlerin (*), auch wenn ein zu wissenschaftlich-detailliertes Herangehen an Probleme der Effizienz (im Sinne des Pareto-Prinzips - mit 20% des Aufwandes 80% einer Aufgabe erfüllen) nicht immer dienlich ist.

Nach einer langen Phase des Nachdenkens, Ideensuchens und Durchdenkens vieler Varianten (so gut wie jede akademische Disziplin, post-graduale Ausbildung kam darin als Option vor) würde ich meine Interessen jetzt - auch - der Philosophie zuordnen. So wie ich Physik gewählt habe, da ich dieses Gebiet für die allgemeinste Naturwissenschaft gehalten habe, betrachte ich jetzt die Philosophie als die grundsätzliche Wissenschaft an sich. Ich sehe hier eine Möglichkeit, meine Berufserfahrungen mit dem Wissen aus den Naturwissenschaften und meinem Interesse an der Motivation und den Grundbedürfnissen des Menschen zu verbinden.

Wissenschaft ist in beruflicher Hinsicht so etwas wie eine berufliche erste Liebe und daher auch mit persönlichen Erinnerungen verknüpft. Vielleicht werde ich das einmal an anderer Stelle vertiefen...

Observatorien am Fuße des Teide, des höchsten Berg Spaniens. Jahreswechsel 2004/2005 in Teneriffa: Nachdenken über die Zukunft, die Wissenschaft und überhaupt Alles.

'Nütze Deine goldenen Talente !'

(elkement. Erstellt: 1998-08-02. Tags: Karriere, Entscheidungen, Beruf, Berufung, Arbeit, Leben)

lernen wir in der Schule in Religion, "Carpe diem !" - "Nütze den Tag !" - in Latein. Wir lesen die Worte großer Philosophen und Dichter in Deutsch und schreiben Essays über den Sinn des Lebens. Wir haben das Leben vor uns (sagen die anderen).

Wir lesen aber auch die Tageszeitungen, deren Karriereseiten und die "Globalisierungsfalle". Wir lesen die Empfehlungen der Personalberater über die optimale Karriereplanung, über die Wichtigkeit von Teamfähigkeit und kritischem Denken. Fachwissen sei nicht so wichtig, Ecken und Kanten der Persönlichkeit schon. Es sei egal, was man genau macht, aber man muß es mit Leidenschaft und Interesse tun und beim Vorstellungsgespräch begründen können, warum man diese Abzweigung genommen hat und nicht jene. Warum beschleicht uns dann aber oft das Gefühl, daß kritisches Denken nur innerhalb gewisser Grenzen, die durch ökonomische Interessen abgesteckt werden, kritisch sein darf, und dürfen  ?

Beschreibungen stromlinienförmiger, geplanter, völlig selbst bestimmter Karrieren machen mich mißtrauisch. Erzählungen von Menschen, die ungünstige Startbedingungen hatten, nie andere Möglichkeit sahen, und so zum ständigen Spielball eines grausamen Schicksales wurden, aber auch. Aber wo verläuft die Grenze zwischen freier Entscheidung und kreativer Schöpfung des eigenen Werdeganges einerseits und der defensiven Reaktion auf elterliche Erwartungen und gesellschaftliche Zwänge andererseits ? Ist die sogenannte freie Entscheidung nicht oft nur die unbewußte Nachahmung von Vorgelebtem oder die protesthafte bewußte Vermeidung des Weges negativer Vorbilder ?

Wollen nicht die meisten von uns fast ihr ganzes Leben lang zwanghaft etwas beweisen: Daß wir mindestens so tüchtig sind wie die prägende Person XY; daß wir es besser machen als XY; daß wir es XY schon zeigen werden; daß man Karriere machen kann, ohne die berühmten 80 Stunden pro Woche zu arbeiten; daß man eine systemkonforme Karriere machen kann, ohne auf seine Ideale zu verzichten; daß man glücklich werden kann ohne das Gefühl, sein Potential bis ins letzte Winkelchen ausgeschöpft zu haben...Wer hat eine Chance, sich wirklich frei für eine Ausbildung oder eine Berufslaufbahn  zu entscheiden ?

Möglicherweise würde unserer gesamtes gesellschaftliches System zusammenbrechen, wenn jeder den Staub der zurückgelegten Wege abschütteln könnte und die unsichtbare Bande der subtilen Verpflichtungen durchtrennen würde. Viele unterschwellige Methoden, Mitarbeiter an ein Unternehmen oder Kinder an ihre Eltern zu binden, würden wegfallen. Unbewußte Gräben würden zu bewußten Schluchten aufgerissen. Möglicherweise würde auch gar nichts passieren, und wir alle könnten nur etwas leichter leben.       

Diesen Text habe ich im Sommer 1998 für einen Kolumnenwettbewerb im Kurier geschrieben - Klaus Woltron sollte die Kolumen bewerten. Wie er mir später einmal erzählte, wurde aber nie eine Kolumne prämiert -  so kann ich mich der Hoffnung hingeben, dass dieser Text vielleicht einmal an der Stelle der Woltron-Kolumne im Samstagskurier abgedruckt worden wäre.

Entscheidungen: Lebensplanung oder Chaos?

(elkement. Zuletzt geändert: 2005-08-30. Erstellt: 1998-08-01. Tags: Entscheidungen, Leben, Karriere, Beruf)

Die Urlaubszeit gilt als Geheimtip für personalsuchende Firmen, die viel zuwenig genutzt wird. Es ist die Zeit für Lebensrückblicke und -planungen, für echte und verfälschte Lebensbilanzen.

Insbesondere betrachten wir im Rückblick Schlüsselsituationen, in denen wir Entscheidungen treffen mußten. Wir betrachten diese Erinnerungen wie schöne Sammlerstücke oder wie Leichen im Keller: wir drehen die Erinnerungen in alle Richtungen, wir formen sie um durch Rechtfertigungen, bis wir der Meinung ist, aus damaliger Sicht oder heutiger Sicht war die Entscheidung richtig oder verständlich. Wir führen einen inneren Monolog, bis die Diskrepanz zwischen ursprünglichen Wünschen und tatsächlichem Handeln verschwunden scheint. Dieser Selbstschutz-Mechanismus kann soweit führen, daß ein verbitterter Vorgesetzter oder Elternteil  versucht, seinen Mitarbeitern oder Kindern den eigenen Lebensweg als einzig möglichen oder sinnvollen darzustellen. Wir wünschen uns, daß andere das wiederholen, was unser Unterbewußtes für falsch hält, um unseren Lebensweg nachträglich zu rechtfertigen.

Wir blicken in Zeiten, in denen Wesentliches nicht so leicht durch Alltägliches verdrängt werden kann, auch in die Zukunft. Wir verwenden gerne Worte wie Lebensplanung oder Karriereplanung. Wir transformieren emotionale Beweggründe in rationale Argumente, bis der Lebensweg als gerade Autobahn erscheint oder zumindest eine überschaubare Anzahl von Abzweigungen schön und einleuchtend beschriftet ist.

Aber wie verläuft der Entscheidungsprozeß nun wirklich - in der Gegenwart ? Wird dieses Bild der schönen Kreuzungen nicht vielleicht nur von jenem Teil in uns erzeugt, der glaubt, nur eine begründete Entscheidung zwischen sauber recherchierten Möglichkeiten sei tragbar ? Stehen wir nicht in Wahrheit vor Abgründen mit tosenden Wassern, vor Raketenstartrampen und vor Verzweigungen von Tausenden kleiner Flüsse ? ändert sich dieses Bild nicht in Bruchteilen von Sekunden ? Und hören wir nicht ebenso viele verwirrende Stimmen von irgendwo her sagen "Spring !" ? Und wissen wir nicht meistens doch auf irgendeine geheimnisvolle Weise, welche Möglichkeit wir wählen sollen ? Taucht nicht plötzlich ein dicker roter Pfeil von irgendwo her auf und zeigt unmißverständlich in eine Richtung, oder trifft uns nicht plötzlich ein unscheinbarer Wegweiser aus Holz mitten in Herz und Verstand ? Ist das eigentliche Problem nicht nur, die Entscheidung dann vor "der Gesellschaft", "der Familie" etc. zu rechtfertigen ? Ist nicht die richtigste Entscheidung immer die, für deren Erklärung die Worte fehlen, weil Worte nur unbeholfen in weitem Kreis den Kern der eigenen Erkenntnis umkreisen können ? Und wählen wir nicht zu oft die erklärbare Variante ?

Es ist nicht leicht zu akzeptieren, daß unsere Welt ein instabiles, chaotisches System ist. Aber es ist tröstlich zu wissen, daß es fast immer unendlich mehr Möglichkeiten gibt als man glaubt.

Teneriffa, 2004. Ich denke wieder über Entscheidungen nach.

(Für die Festschrift meiner Schule, des BG Ramsauerstraße, zum 25-jährigen Schuljubiläum. Alte Deutsche Rechtschreibung.)

Beim Schreiben dieser Zeilen kann ich mich der Erinnerungen an die Deutschaufsätze meiner Schulzeit nicht erwehren. Der Reflex: 'Welcher Einleitungssatz ist besonders kreativ?' ist immer noch da. Außerdem habe ich trotz Übermittlung meiner Worte an den Computer mittels Spracherkennungssoftware das Gefühl, ein typisches Papier zu produzieren. Das Papier in all seinen Ausprägungen wie dem Strategiepapier, der Publikation, oder dem Projektantrag stellt für mich (leider) einen der Angelpunkte der Forschung in Österreich dar.

Der Wert von Papieren wird oft gemessen an Ihrer physikalischen Masse, an ihrem optischen Erscheinungsbild und am gesellschaftlichen Status des Produzenten, unabhängig vom Inhalt. Ein Papier erscheint nach außen, d.h. dem mitunter gelangweilten Leser, sachlich und objektiv, allein den wissenschaftlichen Fakten verpflichtet. Niemand würde ahnen, welch leidenschaftliche Kämpfe bei der Entstehung eines Papiers um die Anordnung von Namen in einer Autorenliste toben können, oder wie persönlich und subjektiv die Erwähnung oder Streichung objektiver Fakten an der richtigen Stelle sein kann.

Das gegenständliche Papier enthält aber nichts anderes als meine persönlichen Gedankensplitter, die ich bei der Analyse der letzten zehn Jahre aufsammle und verdient daher den Namen Papier eigentlich nicht. Ich bewahre eine gewisse Distanz zur wissenschaftlichen Gesellschaft, die den Wert Ihrer Mitglieder an der Zahl Ihrer Publikationen mißt - und das, obwohl oder vielleicht gerade weil mir als Vorzeigestudentin und eifrigem Publizierer zu oft attestiert wurde, prädestiniert für diese Art Laufbahn zu sein.

Vielleicht wird nun von mir erwartet, eine Lanze für die Leistungsgesellschaft zu brechen und für schärfere Selektion und Begabtenförderung einzutreten. Gerade ein Sub-auspiciis-Absolvent sollte aber vor allem beweisen, entgegen dem Streber-Klischee ein ganz normaler Mensch zu sein, und sich mit anderen normalen Menschen frei von akademischem Standesdünkel normal unterhalten zu können. Ich bin mir bewusst, daß während meiner Ausbildung auch das notwendige Quentchen Glück, die sprichwörtliche 'blede Masn' im richtigen Moment auf meiner Seite war.

Mein Misstrauen gegenüber der sogenannten etablierten Gesellschaft, deren Mitglieder mir erklären, daß sich gute Leistung immer bezahlt macht (z.B. in Form eines sogenannten adäquaten Arbeitsplatzes), ist geblieben. Zu Beginn meines Studiums habe ich geglaubt, das größte seelische Problem eines Forschers würde es sein, die Folgen seiner Entdeckungen abzuschätzen und die Weitergabe von Ergebnissen ethisch zu rechtfertigen: Stichwort Atomspaltung und Gen-Kartoffeln. Mir ist heute klar, daß sich nur wenige Physiker den Luxus solch philosophischer Gedanken leisten können, da sie zuerst einmal mit ihrer Existenzangst das eigene Überleben betreffend fertig werden müssen. Wenn man dann das Glück hat, interessante und zudem lukrative Aufträge zu erhalten, können die Folgen einer Entwicklung meist nicht wirklich abgeschätzt werden: Man entdeckt heute nicht mehr - wie in einem Science-Fiction-Film - die ultimative Weltformel, sondern liefert als relativ kleines Zahnrädchen einen kleinen Beitrag in einer unüberschaubaren Forschungs- und Entwicklungsmaschinerie.

Die Abhängigkeit des jungen, idealistischen Forschers von Stellen und Personen, die wohlwollend wieder einen Vertrag für die nächsten Monate bewilligen und die mit der 'Motivierbarkeit' und 'Ausbeutbarkeit' spielen können, ist schwer in einem Satz zu beschreiben und auch den Betroffenen oft unbewußt. Ich kritisiere hier ein System, das hochqualifizierte Menschen oft über Ihr 30. Lebensjahr hinaus in einem Zustand des Sie-müssen-noch-so-viel-Lernen (wenn Sie Ihre Dissertation, Habilitation,... schaffen wollen) hält und sie an der Entfaltung einer natürlich-selbstbewußten Einstellung hindert. Womit sich der Kreislauf aus Verengung des Horizontes auf das Fachgebiet, auf dem man noch so viel lernen muß, damit verbundener effektiver Fehlqualifikation bezüglich des realen Arbeitsmarktes, aus frustrierenden Bewerbungserlebnissen, sinkendem Selbstvertrauen und resignierendem Warten auf die nächste Vertragsverlängerung schließt.

Ich zog auf der Basis meines Bilderbuch-Lebenslaufes und der Erlebnisse verschiedenster Kollegen bei meiner Promotionsrede vor einem Jahr den beunruhigenden Schluß: 'Eine wichtige Erkenntnis, die ich daher aus einigen Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit gewonnen habe, ist, daß man nie eine Arbeit in Angriff nehmen sollte mit dem Ziel, irgendwann dafür Anerkennung zu erhalten.'

Vor einigen Tagen habe ich meine selbständige Tätigkeit als EDV-Berater aufgenommen und bin sicher, daß ich mit der letztgenannten Einstellung, d.h. ohne Vertrauen auf Erfolg trotz aller Unsicherheiten nicht weit kommen würde.

Anerkennung ist nicht unbedingt an standardisierten Kriterien wie dem gesellschaftlichen Status oder der Zahl der Menschen, die meine Mitarbeiter oder meine Fans sind, meßbar. Erfolgreich ist für mich nur, wer innere Zufriedenheit ausstrahlt entsprechend dem Gebet eines weisen Menschen: 'Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Einsicht, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden'. Der selbstverständliche Umgang eines unheilbar Kranken mit seinem Schicksal beeindruckt mich mehr als die frustrierten Äußerungen einer gestreßten Führungskraft über den Preis ihres Erfolges. Frank Stronach imponiert mir nicht in erster Linie wegen seines unternehmerischen Erfolges, sondern weil er beweist, daß einem Spitzenmanager gesellschaftlicher Weitblick und Humor nicht fremd sein müssen.

Diejenigen, die einer Präsidentschaftskandidatin Naivität vorwerfen, werden mir vielleicht sagen wollen, daß man nur von auch finanziell quantifizierbarem Erfolg leben kann und nicht von schönen Worten allein. Soziales Gewissen und unternehmerisches Denken sind für mich aber kein Widerspruch, sondern zwei Aspekte meiner Entscheidungsfreiheit. Ich brauche keinem Manager mehr mit meiner Forschungsarbeit Material für bunte Folien zu liefern, auf denen anhand von immer weniger werdenden Strichmännchen gezeigt wird, wie effiziente Forschung die Personalkosten senkt. Ich muß heute vor mir und meinem Gewissen verantworten, wie ich meine Preise gestalte und wie sich die Dienstleistungen, die ich anbiete, auf die Gesellschaft auswirken.

Die Sicherheit, zu tun, wofür man sich bestimmt fühlt, kann stärker motivieren als die vermeintliche Sicherheit des unbefristeten Dienstverhältnisses. Ich glaube, daß jeder Mensch ein unverwechselbares Potential besitzt, und daß jeder mit einem empfindlichen intuitiven Sensor ausgestattet ist, der ihn zur Quelle wirklicher Zufriedenheit führen kann, wenn er sich die Zeit nimmt, ihn zu aktivieren. Als Hochqualifizierter vom Staat zu verlangen, daß dieser nach der Ausbildung auch die entsprechende Arbeitsumgebung bereitstellt, fällt z.B. nicht in diese Kategorie und ist meiner Meinung nach der Grund für den außerordentlich hohen Frustrationsgrad unter denen, die 'schöne Forschung' betreiben wollen und immer wieder an den Rahmenbedingungen verzweifeln.

Gerade die aktuellen Entwicklungen in der Informationstechnologie bieten Chancen für neue, unkonventionelle Berufsbilder, die sich nicht in die Schemata der klassischen Ausbildungszweige und Kategorien wie Arbeitnehmer oder Selbständiger fassen lassen. Meine Vision von der Arbeitswelt der Zukunft ist eine Welt, in der bedingt durch eine neue Form der Kommunikationskultur Hierarchien, Standorte, Statussymbole und Titel immer unwichtiger werden; eine Welt, in der die Bedeutung von Fachwissen zurücktritt hinter die Fähigkeiten, sich Wissen jederzeit neu und flexibel anzueignen. Ich hoffe, daß diese Entwicklung eine Gesellschaft gleichberechtigter Menschen hervorbringen wird, in der jeder seine Positionen öfter überdenken muß und sich niemand auf Kosten anderer auf seinen wohlerworbenen Rechten ausruhen kann.

Ich bin Wissenschaftler geworden, weil ich beweisen wollte, daß wissenschaftliche Tätigkeit und ethisches Handeln kein Widerspruch sein müssen. Und weil ich die Lebensbedingungen auf diesem Planeten verbessern wollte. Ob ich noch Wissenschaftler bin und ob zweiteres angesichts der tatsächlichen 'papierenen' Ausprägung der Wissenschaft überhaupt möglich ist, weiß ich nicht. Aber daß ich in meiner jetzigen Position eher etwas zur Verbesserung der wirklichen Welt beitragen kann, dessen bin ich mir sicher.

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
elkement [ät] subversiv [dot] at. Kontakt