Fernprojekte - 'Internet-Projekte'

(elkement. Erstellt: 2017-12-02. Tags: Arbeit, Engineering, Internet, Netizen, Wärmepumpe, Technologie, Technik, Web. Englische Version.)

Das Web hat hier seine eigene Kategorie - immerhin war es die (damals) anarchische Spielwiese, auf der subersiv.at gewachsen ist.

Damals hatten wir statische simple Webseiten, die uns Der Server serviert hatte; dann wurde HTTP(s) das Universelle Firewall-Bypass-Protokoll. Wir synchronisieren Dateien in der Dropbox oder 'cachen' unsere Mails offline. Anwendungen wie Teamviewer oder die Dinge im Internet of Thing bohren kontrolliert kleine Löcher in unsere Firewall, damit sie von außen erreichbar sind.

Aber darüber habe ich anderswo geschrieben - über die (Un-)Sicherheit des Internet of Things oder wie die Plattform-Kraken kleine Firmen langsam in ihren Tentakeln einfangen. Mein 'Logo' ist ein wütender Dinosaurier - also habe ich gemischte Gefühle, was die Kulturgeschichte des Internet betrifft. Aber es gibt jedenfalls diesen einen positiven Punkt: Der kreative HTTP(s)-Zauber machte es möglich, dass wir auf eine Art zusammenarbeiten können, die ich vor 25 Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Damals, also noch echte geklammerte Dateien in physischen Ordnern gesammelt wurden.

Ich arbeite hauptsächlich 'remote', nicht nur in IT-Projekten. Vor 10 Jahren habe ich als IT Consultant auch im so genannten 'Home Office' gearbeitet. Aber die Kultur(?) hatte häufiger Meetings in echt erfordert. Heute unterstütze ich einige langjährige IT-Security-Kunden, aber vor allem remote und/oder asynchrone Kanäle. Zum Start unseres Wärmepumpen-Business im Stealth Mode war mein Standard-Schmäh: Irgendwann werden wir in Ingenieursprojekten so arbeiten wie in IT-Projekten. Aus dem Witz wurde Realität - heute ist das der Default-Modus, auch mit Kunden im geografisch erreichbaren Rahmen.

Technologie ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung: Die Software-Tools gab es schon lange, als trotzdem noch Face-Showing-Rituale nötig waren (in der IT). Während der Wirtschaftskrise 2008/2009 versuchten Firmen aber, Reisekosten einzusparen und 'remote' wurde üblicher. Nachher kehrte man nicht mehr zur früheren Arbeitsweise zurück [Keine Statistik, Einzelerfahrungen.]

Unbedingt erforderlich ist die Kunst der asynchronen Kommunikation, die äußert im Erfassen von mehr als den ersten drei Zeilen eines E-Mails. Es leben die verschachtelten Diskussionen - 'Antworten unten in rot!'. Unsere Kunden haben diese Fähigkeit - Technikfreaks / Geeks in typischerweise technischen / zahlenlastigen / IT-Berufen.

Politik sollte keine Rolle spielen (dürfen). Sobald die berühmten non-verbalen Signale und Zwischentöne entscheidend werden, ist die 'Bandbreite' der Remote-Kanäle zu gering. Fraglich ist, ob sich die Politik in noch so vielen Echt-Meetings bändigen lässt. Pragmatischer Ansatz: Arbeiten mit einem tatsächlich verantwortlichen Ansprechpartner - flache Hierarchien und Befehlsstrukturen :-) Wird man in Teamstrukturen und -konflikte hineingezogen und erhält man, wird es schwieriger. Meine Erfahrungen mit geheimen Meetings und diplomatischen Mandate als Mediator waren durchaus lohnend, aber ich lege es nicht mehr darauf an.

Der Spirit in einem Remote-Projekt sollte keinesfalls unterschätzt werden -  unsere Liste der Projektschritte liest sich etwas zu technisch und trocken. Ich kann hier nur verweisen auf einen Bericht mit Zitaten im O-Ton - da wird alles thematisiert von der Zaunanakonda, über den interdisziplinären Arbeitskreis, von Whisky über Quantengravitation zum Holodeck.

Holodeck ist ein gutes Stichwort: Wer hat nicht schon der Augmented Reality gelesen und Videos von den Ingenieuren im Kraftwerk mit der Holo-Brille gesehen? Als Dinosaurier ist das Subversive El(k)ement da etwas zurückhaltend. Aber wurdern würde es mich nicht, wenn unsere Kunden ihren Wärmetauscher irgendwann einmal am 3D-Drucker ausdrucken werden anstelle mit traditionell-konservativen Plänen und Stücklisten zu arbeiten.

So: Damit ist das Elkement als Ur-Netizen (die elkementaren Domains gibt's seit den frühen 00-er Jahren) wieder voll motiviert. Wie in alten Zeiten, als wir genüßlich zusehen wollten, wie das subversive Internet und echte Kommunikation dem Fernsehen und der klassischen Werbung das Fürchten lehrt. Pflichtlektüre: The Cluetrain Manifesto.  Irgendwie lustig, angesichts 'Tracking' und dem Kampf von Datenschützern und Netz-Puristen gegen die Kraken. Auf eine irrationale Weise ist es doch der positive Drive von Remote-Arbeitspionieren wie  Automattic (wordpress.com) die 'Das Web' für mich definieren!

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
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