Soziale Schulden und diese bewussten Anfragen

(elkement. Erstellt: 2015-05-25. Tags: Umsonst, Gratis, Arbeit, Leben, Business, Selbstständig)

Der Unternehmer Ben Horowitz hat in seinem Buch The Hard Things About The Hard Things das Konzept der Management-Schuld vorgestellt: Um als Manager ein unangenehmes, politisch-menschliches Problem vom Tisch zu bekommen, schießt man einen Vorschlag aus der Hüfte, der das Problem kurzfristig löst - aber langfristig weitere Probleme erzeugt.

Sein Beispiel: Eine Mitarbeiterin möchte die Firma verlassen, der Manager hindert sie mit einer Gehaltserhöhung daran. Leider hat sie vorher einem Kollegen von ihren Plänen erzählt und muss jetzt ihren Sinneswandel begründen. damit weiß der Kollege, wie der Chef am besten zu erpressen ist.

Die 'Kriegsgeschichten' aus dem Silicon Valley kann das Element besser nachvollziehen als man vermuten würde - man muss nicht ein schnell wachsendes Imperium leiten, um eine solche Art Schuld einzugehen. In den Alltag des kleinen so genannten Wissensarbeiters umgelegt, nenne ich das: Soziale Schuld. Natürlich denke ich an Fragen dieser Art - an Appelle an die Hilfsbereitschaft des Selbstständigen, der nicht wie ein erbenszählenden Geizkragen dastehen will in unserer 'Sharing-Economy':

  • "Hast Du schnell ein paar Minuten, um Dir mein Problem anzusehen? Für einen Guru wie Dich ja gaaaanz sicher kein Problem" *schmeichel*
  • "Ich habe X schon zugesagt, dass Sie jetzt Y machen! Wenn sie absagen, bekomme ich die größten Probleme!"
  • "Bitte schicken Sie uns 2-3 kostenlose Konzepte und kommen sie ein paar Mal zu Detailpräsentationen vorbei!" [bis wir dann soviel Know-how von allen Anbietern haben, um das Ding alleine durchzuziehen].
  • [Als Antwort auf einen dezenten Hinweis auf kostenfreie Detailinfos 'im Internet', die andere Leute in dem Ausmaß üblicherweise positiv erstaunt] "Na, dann musst Du ja sehr gestresst sein, wenn Du für mich dann keine Zeit hast!!"

Hier nun der wieder völlig kostenfreie Selbsthilfe-Vorschlag des Management-Gurus Elkement:

  • Generall gilt: Love It, Change It, Or Leave It. Wenn eine Branche / Community / Umfeld von dieser Art Anfragen geprägt werden - eher die beiden letzteren Alternativen.
  • Mindestens einmal pro Woche innerlich vor Augen führen, was man SICHER NICHT macht (fast wichtiger als die positive Visualisierung) und nach welchen Prinzipien man handelt. Dannn beim E-Mail- / Facebook- / Telefonanschlag aus dem Nichts daraus schöpfen.
  • ENTWEDER sofort ablegen unter 'Ist halt in meine Inbox geschwemmt worden - warum auch immer', sehr knapp und gerade noch höflich beantworten, dann vergessen....
  • ODER: sachlich analysieren, ob und wie man mit seiner Kommunikation / seinem Außenauftritt eventuell solche Erwartungen geschürt hat - und langsam gegensteuern und an der eigenen Kommunikation arbeiten.

Etwas ausführlich behandelt vom Elkement in seinem Blogposting:
Social Debt (Tech Professional’s Anecdotes).

Schwierigen Entscheidungen und innere Klarheit

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
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