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(elkement. Zuletzt geändert: 2006-05-05. Erstellt: 2004-11-18. Tags: Leben, Arbeit, Sinn, Burnout)

(Update 2006)

Das Wort Burnout ist für mich nicht nur ein Wort. Ich trete an, als High-Potential und High-Performer mit durchaus tiefen Abgründen. Aus dem Blick in diese Abgründe habe ich aber vielleicht mehr gelernt als aus vielen erfolgreich geschlagenen Schlachten. Mittlerweile (2006) weiß ich sicher, dass für mich der tiefere Sinn hinter einer so genannten anstrengenden, stressigen Phase entscheidend ist. Dieser tiefere Sinn muss für Außenstehende nicht erkennbar sind (ich glaube, dass er das auch nicht ist - und für detailliertere Erklärungen ist mir das zu wertvoll).

Wenn ich diesen Sinn erkenne, bin ich zu fast allem fähig. Der Mensch ist unglaublich anpassungsfähig und leistungsfähig. Wenn ich diesen Sinn nicht erkenne, dann läuft nebenbei ein Gedankenrad mit, das mich quält mit der Frage Warum.

Ich bin stolz, dass das Knirschen dieser gedanklichen Zahnräder meine Leistungsfähigkeit nie beeinträchtigt hat. Aber ich blicke auch mit Bescheidenheit und Demut zurück - im entscheidenden Moment, wenn ein Kontroll-Freak wie ich merkt die Kontrolle zu verlieren, dann kommt es auch auf Zufälle an - und darauf, auf wen man trifft. Ein Wort eines Anderen kann einen erlösen oder in Verzweiflung stürzen. Dafür, dass ich hier Glück hatte, das richtige Gefühl und die richtigen Ansprechpartner zur richtigen Zeit (oder das Gespür, die richtigen Ansprechpartner anzusprechen) - dafür bin ich dankbar.

(Original 2005)

Vor einigen Jahren hatte ich meine übliche alljährliche Existenzkrise, vor allem im Sommer drängten sich immer die Gedanken in den Vordergrund, dass das noch immer nicht mein ganzes Potential ausschöpft und ich viel zu viel für einen viel zu kleinen Bereich meines Spektrums arbeite.

Meine Lebensvision ist die Kombination folgender Faktoren - ich habe über 10 Jahre, seit Beginn des Grundstudiums 1987) gebraucht, um das herauszufinden:

Tief und analytisch in naturwissenschaftliche Zusammenhänge eindringen, "die Welt verstehen"

Technische Lösungen aufbauen, die Menschen tatsächlich nutzen, technische Zusammenhänge erklären

Meinen technischen Spieltrieb (auch ohne Weltverbesserung) ausleben

Als Mediatorin, Vermittlerin wirken - nicht als "Leiterin" oder Managerin

Mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten, interessante Meinungen austauschen

Spaß haben: Insider-Humor, IT-Zynismus und -Sarkamus

Meine seit der Schule eingeschlafene Neigung zum philosophischen Nachdenken und Schreiben auszuleben

Anfang 2005 kann ich sagen, dass sich diese Vision nun langsam "materialisiert". Der Weg dorthin war und ist nicht ganz leicht. In einem Forum habe ich gegen Ende 2004 folgende Bilanz gezogen - zum Stichwort "Burnout":

Ich sehe vor allem diese Phasen deswegen als wertvoll an, weil die Ursache ja eigentlich etwas Positives ist, was den Kern meiner Persönlichkeit ausmacht (zum Thema: Sich-treu-Bleiben): die Verbindung vieler scheinbarer gegensätzlicher Interessen und  Fähigkeiten (Technik, Wissenschaft, Philosophie, Mediator etc...

Es war nur ein nicht immer einfacher Lernprozess, die Muster hier zu erkennen und für mich eine "persönliche Lebensvision" zu entwickeln, die mir eine Perspektive bietet, diese Widersprüche aufzulösen, neu zu verbinden, "an den inneren Reibeflächen zu wachsen". Zu erkennen, was eigentlich den "verbindenden Kernbereich" bildet ("roter Persönlichkeitsfaden") und was nur "Randbereiche" sind, die sich ändern können oder mehr äußeren Einflüssen unterliegen. Diese Erkenntnisse sind ja scheinbare Binsenweiseheiten und trotzdem oder gerade deswegen nur auf dem harten Weg des eigenen Durchlebens zu lernen:

Nicht alles, was man laut Feedback anderer "gut kann", will man wirklich (Bsp: Meine Bezug zu Management-Funktionen).

Auch Dinge, die man extrem gerne macht, kosten Energien und die Reserven sind nicht unerschöpflich.

Es gibt immer kreativere Lösungen, als man in der verengten Perspektive einer Stress- / Panik-Situation sieht. Kreativ hinsichtlich: Arbeitszeiten, Definition der Job-Rolle(n) außerhalb von Standard-Kästchen, an den richtigen Stellen "fokussieren", um die "Breite" unterzubringen etc.

Fundamentale Erfahrung: "Zuzugeben", eventuell die üblichen Höchstleistungen momentan nicht bringen zu können. Ergebnis: Unerwartet positiv-konstruktive Reaktionen ohne Mitleids-Touch. Weglassen von Perfektionismus .... und doch kommen die gleichen positiven Reaktionen wie immer. Man kann sich scheinbar bei objektiv hohem Leistungsdruck selbst noch immer am besten super stressen mit der Erwartungshaltung an sich selbst.

Der Schlüssel liegt in der scheinbar paradoxen Akzeptanz der eigenen Grenzen (und auch dazu zu stehen ohne herumzureden) aber gleichzeitig die volle Verantwortung für die Entwicklung der eigenen Vision zu übernehmen (um niemand anderen mit der Opferrolle moralisch in Geiselhaft zu nehmen).

Ich habe erfahren, dass es einen Punkt gibt, an dem man "gerade noch" in der Lage ist, die eigene Situation auch anderen gegenüber so darszustellen, dass man gemeinsam eine sinnvolle Lösung findet. Das hat nichts mit Hilflosigkeit zu tun und wird auch von anderen  durchaus als Stärke gesehen.

Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass offenes Aussprechen dieser vermeintlichen Schwächen zu einer Offenheit des Gegenübers führt.  Auch und gerade in (Business-)"Umfeldern", die theoretisch stark von Leistung, Sich-Beweisen-Müssen, Keine-Blöße-Geben etc. geprägt sind.

Deswegen bin ich immer skeptisch, wenn Diskussionen in die Richtung "private" und "öffentliche" / "Business-"Rolle gehen. Ich versuche so viele Dinge zu verbinden, bin in unterschiedlichen Communities mit verschwimmenden Grenzen zuhause - mir wäre es schlicht zu stressig und faktisch unmöglich, in der einen Welt ein "Image" aufzubauen und in der anderen "privat" zu sein.

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
elkement [ät] subversiv [dot] at. Kontakt