Zur Magie der Deadlines.

(elkement. Zuletzt geändert: 2011-04-07. Erstellt: 2004-04-04. Tags: Corporate World, Kalender, Deadlines, Entscheidungen. Englische Version.)

(Update 2011: Es hat: funktioniert)

Um den 02.02.02 wurde mir bewusst, dass der neue Abschnitt nur ein Übergang sein kann. Das Element setzte sich ein Ziel: den 05.05.05.

Aber irgendwann mutiert Plan B dann wieder zu Plan A. Es reift die Sehnsucht nach einem neuem Plan B. Und zwar seit einem Zeitpunkt [In einer ersten Version mit Tippfehler stand hier: Zeitpunktwissen] zwischen 08.08.08 und 09.09.09

In der westliche Welt finden wir immer noch Spuren des auf 60 und seinen Teilen basierenden Systems, das auf die Babylonier zurückgeht. Da es somit kein 13.13.13 geben wird, kann das Element schon mit der Planung beginnen - für den 12.12.12.

(Originalversion 2004)

Ich gebe es zu: Ich bezeichne mich selbst als Skeptiker, was alles esoterisch Angehauchte betrifft (zwar als wohlmeinenden Skeptiker, aber doch hart in der Sache), aber ich bekenne mich zu einer völlig irrationalen Magie in Bezug auf Datumsangaben.

Es wäre jetzt auch in interessant, hier weiter auf die sprachlichen Wurzeln dieser Totlinien eingehen. Was könnte das sein: Langgezogene Totpunkte oder einfach tote Linien? Wie auch immer, für mich bedeuten die toten Linien dann etwas Magisch-mystisch-Inspirierendes, wenn sie von mir festgesetzte Zeitpunkte markieren (in der Zukunft natürlich - sonst wäre sie wohl wirklich tote Linien).

Was ich hier auch nicht weiter vertiefen möchte, sind die pathologisch begründeten Deadlines, die in mehr oder weniger dynamischen Organisationen von mystischen Hierarchie-Spitzen (Hierarchie = Heilige Ordnung!) in einem undurchschaubaren Prozess den so genannten arbeitenden Ressourcen offenbar gemacht werden. Wer hier mehr dazu wissen möchte, sollte Bücher über Projektmanagement von Tom DeMarco oder Edward Yourdon lesen.

Die von mir angesprochene positive Kalender-Magie ist durchaus ein Teil unserer amerikanisch geprägten westlichen Welt: Wir besuchen höhere Schulen mit dem Wissen, nach genau acht Jahren mit einem Ritual namens Matura in die Welt der Erwachsenen entlassen zu werden. Wir kennen dieses Datum Jahre vorher und es beeinflusst uns unbewusst.

Jede spätere Ausbildung motiviert uns auf eine ähnliche Art, obwohl die genaue Festlegung, wann die Lernphase zu Ende sein soll, eigentlich vollkommen willkürlich ist und durch seltsame Zufälle, gesetzliche Vorgaben, praxisferne Studienplaner, Budgetnöte oder Überflüsse von Bildungseinrichtungen entstanden ist etc.

Wie motivierend ist dann erst eine Deadline, die wir uns selbst setzen: Zwar genauso ohne triftigen Grund, warum dieses Datum gerade x Jahre in der Zukunft sein soll, aber dadurch ausgezeichnet, dass wir selbst Schöpfer dieses Datum sind. Ich verwende diese pathetische Formulierung bewusst, weil hier mitschwingt, dass wir unsere Zukunft selbst gestalten. Und wenn es nur ein psychologischer Trick im Sinn einer selbst erfüllenden Prophezeiung ist, die zu dem willkürlichen Datum eintritt.

Mir hat einmal jemand gesagt, dass dann der Kalender für mich entscheiden würde. Und ist der Punkt im Kalender nicht nur ein Teil von mir selbst, den jetzt als nach außen projizierter Teil meines (Unter-)Bewusstseins wieder auf mich einwirkt?

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
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