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Archiv der Postings für 1998, nach dem Erstelldatum sortiert in absteigender Reihenfolge. Alle Postings angezeigt.

Die einzige vom elkement bekannte Poesie, die der Nachwelt (Google-Cache) eventuell erhalten bleiben wird.

Worte (Elementare Lyrik)

(elkement. Zuletzt geändert: 2013-01-03. Erstellt: 1998-08-10. Tags: Kunst, Poesie, Gedicht)

Das war der einzige Ausflug des Subversiven Elementes in

So etwas wie Lyrik

(1998. Kommentar dazu irgendwann in den 00er Jahren. Weitere Zeilenumbrüche: 3. Jänner 2013)

... mitten in der vielen existentiellen Sinnkrisen des elementaren Alter Egos. Letztere versuche ich (oh, eine Panne - es sollte natürlich heißen: das Element) mittlerweile erfolgreicher durch philosophische Websites aufzuarbeiten ;-) Der Text sollte wohl irgendwie existentialistisch sein, vielleicht hatte das Element zuviel Viktor Frankl, Blaise Pascal etc. gelesen.

Worte
Von: einem Subversiven Element

Worte
vorgeformt
in den Tiefen des Bewusstseins
werfen Blasen
an der Oberfläche
überziehen mein Bild von der Welt
mit Tausenden bunter Tropfen

Worte
reichen wie Tentakel
in meine Wirklichkeit
und zerren an Unverrückbarem.
Ströme aus Lava verbrennen
scheinbare Sicherheit
Ströme aus Wasser
benetzen das ausgedorrte Land
meiner Vernunft

Worte
graben ihre Tunnel
durch meinen Verstand
lassen meine Seele
auf schwankenden Brücken gehen
über Schauplätze vergangener Kämpfe
vorbei an Monumenten
für Heldentaten
deren Sinn ich vergessen habe

Worte
fließen in meine Realität
hier und jetzt
und erfüllen sich selbst
durch ihren Widerhall
in einer Welt
die sich verändert hat
in diesem Moment

'Nütze Deine goldenen Talente !'

(elkement. Erstellt: 1998-08-02. Tags: Karriere, Entscheidungen, Beruf, Berufung, Arbeit, Leben)

lernen wir in der Schule in Religion, "Carpe diem !" - "Nütze den Tag !" - in Latein. Wir lesen die Worte großer Philosophen und Dichter in Deutsch und schreiben Essays über den Sinn des Lebens. Wir haben das Leben vor uns (sagen die anderen).

Wir lesen aber auch die Tageszeitungen, deren Karriereseiten und die "Globalisierungsfalle". Wir lesen die Empfehlungen der Personalberater über die optimale Karriereplanung, über die Wichtigkeit von Teamfähigkeit und kritischem Denken. Fachwissen sei nicht so wichtig, Ecken und Kanten der Persönlichkeit schon. Es sei egal, was man genau macht, aber man muß es mit Leidenschaft und Interesse tun und beim Vorstellungsgespräch begründen können, warum man diese Abzweigung genommen hat und nicht jene. Warum beschleicht uns dann aber oft das Gefühl, daß kritisches Denken nur innerhalb gewisser Grenzen, die durch ökonomische Interessen abgesteckt werden, kritisch sein darf, und dürfen  ?

Beschreibungen stromlinienförmiger, geplanter, völlig selbst bestimmter Karrieren machen mich mißtrauisch. Erzählungen von Menschen, die ungünstige Startbedingungen hatten, nie andere Möglichkeit sahen, und so zum ständigen Spielball eines grausamen Schicksales wurden, aber auch. Aber wo verläuft die Grenze zwischen freier Entscheidung und kreativer Schöpfung des eigenen Werdeganges einerseits und der defensiven Reaktion auf elterliche Erwartungen und gesellschaftliche Zwänge andererseits ? Ist die sogenannte freie Entscheidung nicht oft nur die unbewußte Nachahmung von Vorgelebtem oder die protesthafte bewußte Vermeidung des Weges negativer Vorbilder ?

Wollen nicht die meisten von uns fast ihr ganzes Leben lang zwanghaft etwas beweisen: Daß wir mindestens so tüchtig sind wie die prägende Person XY; daß wir es besser machen als XY; daß wir es XY schon zeigen werden; daß man Karriere machen kann, ohne die berühmten 80 Stunden pro Woche zu arbeiten; daß man eine systemkonforme Karriere machen kann, ohne auf seine Ideale zu verzichten; daß man glücklich werden kann ohne das Gefühl, sein Potential bis ins letzte Winkelchen ausgeschöpft zu haben...Wer hat eine Chance, sich wirklich frei für eine Ausbildung oder eine Berufslaufbahn  zu entscheiden ?

Möglicherweise würde unserer gesamtes gesellschaftliches System zusammenbrechen, wenn jeder den Staub der zurückgelegten Wege abschütteln könnte und die unsichtbare Bande der subtilen Verpflichtungen durchtrennen würde. Viele unterschwellige Methoden, Mitarbeiter an ein Unternehmen oder Kinder an ihre Eltern zu binden, würden wegfallen. Unbewußte Gräben würden zu bewußten Schluchten aufgerissen. Möglicherweise würde auch gar nichts passieren, und wir alle könnten nur etwas leichter leben.       

Diesen Text habe ich im Sommer 1998 für einen Kolumnenwettbewerb im Kurier geschrieben - Klaus Woltron sollte die Kolumen bewerten. Wie er mir später einmal erzählte, wurde aber nie eine Kolumne prämiert -  so kann ich mich der Hoffnung hingeben, dass dieser Text vielleicht einmal an der Stelle der Woltron-Kolumne im Samstagskurier abgedruckt worden wäre.

Entscheidungen: Lebensplanung oder Chaos?

(elkement. Zuletzt geändert: 2005-08-30. Erstellt: 1998-08-01. Tags: Entscheidungen, Leben, Karriere, Beruf)

Die Urlaubszeit gilt als Geheimtip für personalsuchende Firmen, die viel zuwenig genutzt wird. Es ist die Zeit für Lebensrückblicke und -planungen, für echte und verfälschte Lebensbilanzen.

Insbesondere betrachten wir im Rückblick Schlüsselsituationen, in denen wir Entscheidungen treffen mußten. Wir betrachten diese Erinnerungen wie schöne Sammlerstücke oder wie Leichen im Keller: wir drehen die Erinnerungen in alle Richtungen, wir formen sie um durch Rechtfertigungen, bis wir der Meinung ist, aus damaliger Sicht oder heutiger Sicht war die Entscheidung richtig oder verständlich. Wir führen einen inneren Monolog, bis die Diskrepanz zwischen ursprünglichen Wünschen und tatsächlichem Handeln verschwunden scheint. Dieser Selbstschutz-Mechanismus kann soweit führen, daß ein verbitterter Vorgesetzter oder Elternteil  versucht, seinen Mitarbeitern oder Kindern den eigenen Lebensweg als einzig möglichen oder sinnvollen darzustellen. Wir wünschen uns, daß andere das wiederholen, was unser Unterbewußtes für falsch hält, um unseren Lebensweg nachträglich zu rechtfertigen.

Wir blicken in Zeiten, in denen Wesentliches nicht so leicht durch Alltägliches verdrängt werden kann, auch in die Zukunft. Wir verwenden gerne Worte wie Lebensplanung oder Karriereplanung. Wir transformieren emotionale Beweggründe in rationale Argumente, bis der Lebensweg als gerade Autobahn erscheint oder zumindest eine überschaubare Anzahl von Abzweigungen schön und einleuchtend beschriftet ist.

Aber wie verläuft der Entscheidungsprozeß nun wirklich - in der Gegenwart ? Wird dieses Bild der schönen Kreuzungen nicht vielleicht nur von jenem Teil in uns erzeugt, der glaubt, nur eine begründete Entscheidung zwischen sauber recherchierten Möglichkeiten sei tragbar ? Stehen wir nicht in Wahrheit vor Abgründen mit tosenden Wassern, vor Raketenstartrampen und vor Verzweigungen von Tausenden kleiner Flüsse ? ändert sich dieses Bild nicht in Bruchteilen von Sekunden ? Und hören wir nicht ebenso viele verwirrende Stimmen von irgendwo her sagen "Spring !" ? Und wissen wir nicht meistens doch auf irgendeine geheimnisvolle Weise, welche Möglichkeit wir wählen sollen ? Taucht nicht plötzlich ein dicker roter Pfeil von irgendwo her auf und zeigt unmißverständlich in eine Richtung, oder trifft uns nicht plötzlich ein unscheinbarer Wegweiser aus Holz mitten in Herz und Verstand ? Ist das eigentliche Problem nicht nur, die Entscheidung dann vor "der Gesellschaft", "der Familie" etc. zu rechtfertigen ? Ist nicht die richtigste Entscheidung immer die, für deren Erklärung die Worte fehlen, weil Worte nur unbeholfen in weitem Kreis den Kern der eigenen Erkenntnis umkreisen können ? Und wählen wir nicht zu oft die erklärbare Variante ?

Es ist nicht leicht zu akzeptieren, daß unsere Welt ein instabiles, chaotisches System ist. Aber es ist tröstlich zu wissen, daß es fast immer unendlich mehr Möglichkeiten gibt als man glaubt.

Teneriffa, 2004. Ich denke wieder über Entscheidungen nach.

(Für die Festschrift meiner Schule, des BG Ramsauerstraße, zum 25-jährigen Schuljubiläum. Alte Deutsche Rechtschreibung.)

Beim Schreiben dieser Zeilen kann ich mich der Erinnerungen an die Deutschaufsätze meiner Schulzeit nicht erwehren. Der Reflex: 'Welcher Einleitungssatz ist besonders kreativ?' ist immer noch da. Außerdem habe ich trotz Übermittlung meiner Worte an den Computer mittels Spracherkennungssoftware das Gefühl, ein typisches Papier zu produzieren. Das Papier in all seinen Ausprägungen wie dem Strategiepapier, der Publikation, oder dem Projektantrag stellt für mich (leider) einen der Angelpunkte der Forschung in Österreich dar.

Der Wert von Papieren wird oft gemessen an Ihrer physikalischen Masse, an ihrem optischen Erscheinungsbild und am gesellschaftlichen Status des Produzenten, unabhängig vom Inhalt. Ein Papier erscheint nach außen, d.h. dem mitunter gelangweilten Leser, sachlich und objektiv, allein den wissenschaftlichen Fakten verpflichtet. Niemand würde ahnen, welch leidenschaftliche Kämpfe bei der Entstehung eines Papiers um die Anordnung von Namen in einer Autorenliste toben können, oder wie persönlich und subjektiv die Erwähnung oder Streichung objektiver Fakten an der richtigen Stelle sein kann.

Das gegenständliche Papier enthält aber nichts anderes als meine persönlichen Gedankensplitter, die ich bei der Analyse der letzten zehn Jahre aufsammle und verdient daher den Namen Papier eigentlich nicht. Ich bewahre eine gewisse Distanz zur wissenschaftlichen Gesellschaft, die den Wert Ihrer Mitglieder an der Zahl Ihrer Publikationen mißt - und das, obwohl oder vielleicht gerade weil mir als Vorzeigestudentin und eifrigem Publizierer zu oft attestiert wurde, prädestiniert für diese Art Laufbahn zu sein.

Vielleicht wird nun von mir erwartet, eine Lanze für die Leistungsgesellschaft zu brechen und für schärfere Selektion und Begabtenförderung einzutreten. Gerade ein Sub-auspiciis-Absolvent sollte aber vor allem beweisen, entgegen dem Streber-Klischee ein ganz normaler Mensch zu sein, und sich mit anderen normalen Menschen frei von akademischem Standesdünkel normal unterhalten zu können. Ich bin mir bewusst, daß während meiner Ausbildung auch das notwendige Quentchen Glück, die sprichwörtliche 'blede Masn' im richtigen Moment auf meiner Seite war.

Mein Misstrauen gegenüber der sogenannten etablierten Gesellschaft, deren Mitglieder mir erklären, daß sich gute Leistung immer bezahlt macht (z.B. in Form eines sogenannten adäquaten Arbeitsplatzes), ist geblieben. Zu Beginn meines Studiums habe ich geglaubt, das größte seelische Problem eines Forschers würde es sein, die Folgen seiner Entdeckungen abzuschätzen und die Weitergabe von Ergebnissen ethisch zu rechtfertigen: Stichwort Atomspaltung und Gen-Kartoffeln. Mir ist heute klar, daß sich nur wenige Physiker den Luxus solch philosophischer Gedanken leisten können, da sie zuerst einmal mit ihrer Existenzangst das eigene Überleben betreffend fertig werden müssen. Wenn man dann das Glück hat, interessante und zudem lukrative Aufträge zu erhalten, können die Folgen einer Entwicklung meist nicht wirklich abgeschätzt werden: Man entdeckt heute nicht mehr - wie in einem Science-Fiction-Film - die ultimative Weltformel, sondern liefert als relativ kleines Zahnrädchen einen kleinen Beitrag in einer unüberschaubaren Forschungs- und Entwicklungsmaschinerie.

Die Abhängigkeit des jungen, idealistischen Forschers von Stellen und Personen, die wohlwollend wieder einen Vertrag für die nächsten Monate bewilligen und die mit der 'Motivierbarkeit' und 'Ausbeutbarkeit' spielen können, ist schwer in einem Satz zu beschreiben und auch den Betroffenen oft unbewußt. Ich kritisiere hier ein System, das hochqualifizierte Menschen oft über Ihr 30. Lebensjahr hinaus in einem Zustand des Sie-müssen-noch-so-viel-Lernen (wenn Sie Ihre Dissertation, Habilitation,... schaffen wollen) hält und sie an der Entfaltung einer natürlich-selbstbewußten Einstellung hindert. Womit sich der Kreislauf aus Verengung des Horizontes auf das Fachgebiet, auf dem man noch so viel lernen muß, damit verbundener effektiver Fehlqualifikation bezüglich des realen Arbeitsmarktes, aus frustrierenden Bewerbungserlebnissen, sinkendem Selbstvertrauen und resignierendem Warten auf die nächste Vertragsverlängerung schließt.

Ich zog auf der Basis meines Bilderbuch-Lebenslaufes und der Erlebnisse verschiedenster Kollegen bei meiner Promotionsrede vor einem Jahr den beunruhigenden Schluß: 'Eine wichtige Erkenntnis, die ich daher aus einigen Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit gewonnen habe, ist, daß man nie eine Arbeit in Angriff nehmen sollte mit dem Ziel, irgendwann dafür Anerkennung zu erhalten.'

Vor einigen Tagen habe ich meine selbständige Tätigkeit als EDV-Berater aufgenommen und bin sicher, daß ich mit der letztgenannten Einstellung, d.h. ohne Vertrauen auf Erfolg trotz aller Unsicherheiten nicht weit kommen würde.

Anerkennung ist nicht unbedingt an standardisierten Kriterien wie dem gesellschaftlichen Status oder der Zahl der Menschen, die meine Mitarbeiter oder meine Fans sind, meßbar. Erfolgreich ist für mich nur, wer innere Zufriedenheit ausstrahlt entsprechend dem Gebet eines weisen Menschen: 'Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Einsicht, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden'. Der selbstverständliche Umgang eines unheilbar Kranken mit seinem Schicksal beeindruckt mich mehr als die frustrierten Äußerungen einer gestreßten Führungskraft über den Preis ihres Erfolges. Frank Stronach imponiert mir nicht in erster Linie wegen seines unternehmerischen Erfolges, sondern weil er beweist, daß einem Spitzenmanager gesellschaftlicher Weitblick und Humor nicht fremd sein müssen.

Diejenigen, die einer Präsidentschaftskandidatin Naivität vorwerfen, werden mir vielleicht sagen wollen, daß man nur von auch finanziell quantifizierbarem Erfolg leben kann und nicht von schönen Worten allein. Soziales Gewissen und unternehmerisches Denken sind für mich aber kein Widerspruch, sondern zwei Aspekte meiner Entscheidungsfreiheit. Ich brauche keinem Manager mehr mit meiner Forschungsarbeit Material für bunte Folien zu liefern, auf denen anhand von immer weniger werdenden Strichmännchen gezeigt wird, wie effiziente Forschung die Personalkosten senkt. Ich muß heute vor mir und meinem Gewissen verantworten, wie ich meine Preise gestalte und wie sich die Dienstleistungen, die ich anbiete, auf die Gesellschaft auswirken.

Die Sicherheit, zu tun, wofür man sich bestimmt fühlt, kann stärker motivieren als die vermeintliche Sicherheit des unbefristeten Dienstverhältnisses. Ich glaube, daß jeder Mensch ein unverwechselbares Potential besitzt, und daß jeder mit einem empfindlichen intuitiven Sensor ausgestattet ist, der ihn zur Quelle wirklicher Zufriedenheit führen kann, wenn er sich die Zeit nimmt, ihn zu aktivieren. Als Hochqualifizierter vom Staat zu verlangen, daß dieser nach der Ausbildung auch die entsprechende Arbeitsumgebung bereitstellt, fällt z.B. nicht in diese Kategorie und ist meiner Meinung nach der Grund für den außerordentlich hohen Frustrationsgrad unter denen, die 'schöne Forschung' betreiben wollen und immer wieder an den Rahmenbedingungen verzweifeln.

Gerade die aktuellen Entwicklungen in der Informationstechnologie bieten Chancen für neue, unkonventionelle Berufsbilder, die sich nicht in die Schemata der klassischen Ausbildungszweige und Kategorien wie Arbeitnehmer oder Selbständiger fassen lassen. Meine Vision von der Arbeitswelt der Zukunft ist eine Welt, in der bedingt durch eine neue Form der Kommunikationskultur Hierarchien, Standorte, Statussymbole und Titel immer unwichtiger werden; eine Welt, in der die Bedeutung von Fachwissen zurücktritt hinter die Fähigkeiten, sich Wissen jederzeit neu und flexibel anzueignen. Ich hoffe, daß diese Entwicklung eine Gesellschaft gleichberechtigter Menschen hervorbringen wird, in der jeder seine Positionen öfter überdenken muß und sich niemand auf Kosten anderer auf seinen wohlerworbenen Rechten ausruhen kann.

Ich bin Wissenschaftler geworden, weil ich beweisen wollte, daß wissenschaftliche Tätigkeit und ethisches Handeln kein Widerspruch sein müssen. Und weil ich die Lebensbedingungen auf diesem Planeten verbessern wollte. Ob ich noch Wissenschaftler bin und ob zweiteres angesichts der tatsächlichen 'papierenen' Ausprägung der Wissenschaft überhaupt möglich ist, weiß ich nicht. Aber daß ich in meiner jetzigen Position eher etwas zur Verbesserung der wirklichen Welt beitragen kann, dessen bin ich mir sicher.

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
elkement [ät] subversiv [dot] at. Kontakt