Die 'heutige Jugend' zwischen (Über-)Anpassung und Auflehnung.

(elkement. Zuletzt geändert: 2005-07-20. Erstellt: 1987-05-18. Tags: Leben, Sinn, Jugend, Lernen, Philosophie)

1987 steht nicht für Science Fiction

(Sommer 2005, nach der Aufarbeitung des handschriftlichen Originalmanuskriptes)

sondern für das Schöpfungsjahr des folgenden Textes, geschrieben in einer 4-stündigen Klausur unter hoher nervlicher Anspannung. Das Elemente reifte in diesem vier Stunden (reif: lat. maturus)

Vorgabe - 1987

(Sommer 1987, in damals üblicher Vervielfältigungstechnik gedruckt. Möglicherweise mittels dieser schnüffel-süchtig machenden 'Matrizen'.)

Die "heutige Jugend" zwischen (Über-)Anpassung und Auflehnung.

Viele Beobachter meinen, es gebe keine Jugendzeit mehr, die Grenzen zu den Erwachsenen seien nicht mehr auszumachen, die Jugend sei nur mehr angepasst.
Versuche eine Bestandsaufnahme Deiner Generation, gehe den gesellschaftlichen Bedingungen der Anpassung nach!

Vorwort des Elementes - 2005

(Sommer 2005, nach der Aufarbeitung des handschriftlichen Originalmanuskriptes)

Sehr prophetisch, dass die damals noch Muster-Schülerin ein solches Thema wählte. Das Element aber fragt sich besorgt: Wird diese Jugendarbeit (haha, sehr doppeldeutiges Wort) seinen Ruf beeinträchtigen? Oder war das Element in seiner quasi pränatalen Phase doch schon subversiv?

Elke Stangl* - 1987

Die Maturaarbeit des Elementes (Abitur: für die Bundesdeutschen Leser). Alte Deutsche Rechtschreibung.

(Ende Juni 1987, handschriftlich, blaue Tinte. Tintenkiller nicht erlaubt.)

*) ein damals verwendetes Pseudonym des Elementes
(alte Rechtschreibung, damit der Text wenigstens in sich konsistent ist)

"Revolution, Protest, Sturm und Drang" - Begriffe, die schnell und spontan mit dem Wort "Jugend" in Verbindung gebracht werden.
Sind diese "Parolen" nicht längst zu Erinnerungen geworden, Gedanken "unter" dem sauber gezogenen, bereits ergrauten Scheites des ehemaligen "Achtundsechzigers"? Berichte von Studentenunruhen, einer über die Landesgrenzen schwappenden Woge von Auflehnung, einer beispiellosen Aufbruchstimmung - ist das nicht schon Geschichte für die Teenager der Achtzigerjahre? Soziologen, Intellektuelle, Kritiker "verleihen" ihnen andere Prädikate:
Die heutige Jugend sei angepaßt, bürgerlich und desinteressiert, Engagement und Individualismus seien die Ausnahme. In welches gesellschaftliche "Schlupfloch" ist die frühere Dynamik verschwunden?

Wir sind reich; reich an Konsumgütern und Freizeit. Wir stecken bis zum Hals in einem Sumpf von Dingen, die wir nicht brauchen. Wir sind - wie unser Verdauungskanal - überbeansprucht von den Früchten und Segnungen der Wohlstandgesellschaft. Wir - die "Konsumkinder" - brauchen uns nicht aufzulehnen, wir HABEN ALLES.
Die Generation, die für Ideelles auf die Barrikaden stieg, hat sich an das Materielle gewöhnt. Unsere Eltern haben gelernt, im Überfluß zu leben, wir "Spießer der zweiten Generation" beherrschen dies von Geburt an.

An dieser Stelle wird "Bekanntes" eingeworfen, das Schlagwort "Generationskonflikt" in die Diskussion eingebracht. Wie (wenig) heftig "tobt" jedoch ein Konflikt mit Eltern, die allmählich von Autoritäten zu Partnern werden (wollen)? "Psychologie im Hinterkopf" löst irrational-autoritäre Argumente ab, wie: "Sei nicht wehleidig! Wir im Krieg..." Niemand hat es mehr nötig, behutsam-feinfühlige Eltern zu hassen. Es genügt, ihre Einwände zu ignorieren.

Generell kann es sich der "Modelljugendliche" des zwanzigsten Jahrhundert - noch - leisten, mit "Egal" abzutun, was ihn "stört": Politik, Umweltverschmutzung,...
Eine - doch relativ geringe - Zahl von Demonstrierenden, Protestierenden darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die "brennende" Nähe - "Hautnähe" - zu gravierenden Problemen fehlt. Meine Generation hat eben wirklich keinen Krieg miterlebt. (Einen Golfkrieg beispielsweise können wir von der Österreichischen "Insel der Seligen" aus distanziert betrachten, kommentieren)

Eine Gruppe, die sich aus jenen Gleichgültigen zusammensetzt, ist auch nicht daran interessiert, sich gegen "feindliche" Gruppierungen abzugrenzen. Die "Welt der Erwachsenen" gibt es nicht mehr. Der jugendliche Idealismus, der eine erkaltete Welt zum Glühen bringen sollte, versickert langsam im kargen Boden der "Einheitsgesellschaft". Wo Opportunismus zum Götzen gemacht wird, wo "einzelnes" zugunsten eines übermächtigen "MAN" abgewertet wird, können etwas extremere Ideologien nicht Fuß fassen. In einem wohltemperierten Gesellschaftsklima schmilzt schneidendes Eis und erlischt brennendes Feuer.
Schon der Ausdruck "Jugend" selbst wird zu einem "lauen", vagen Begriff: Geschickte Marketingstrategen machen ihn zu einem "relativierten" Schlagwort: "Auch mit fünfzig noch jung und topfit..." Eine ganze Gesellschaft ist von Jugendlichkeit durchtränkt, die Identität der spezifischen Gruppe "Jugendliche" "zerbröselt" unmerklich.

"Es ist unzulässig, die momentane Situation so einseitig zu betrachten. Die Bereitschaft zu kompromißlosem Handeln, zu eindeutigem "Stellungbeziehen" scheint wieder zuzunehmen. Der Sensible spürt das Brodeln unter der Kruste, der Fassade einer Gesellschaft, die zu lange Wohlstand, Technik und Fortschritt gehuldigt hat."

Ein nur scheinbarer Widerspruch:
"Protest '97" - um dem Phänomen einen Namen zu geben - wird nicht mehr ausschließlich von Menschen einer Altersklasse getragen, wird nicht mehr im herkömmlichen Sinne "getragen". Es gibt lediglich Einzelkämpfer, die sich demonstrativ-öffentlich auflehnen oder verbal-intellektuell weigern. Belanglos ist, ob sie sich in der Pubertät oder der "Midlife-Crisis" befinden.

Von Zeit zu Zeit habe ich allerdings das beängstigende Gefühl, dass der Mensch seine "radikale Sturm- und Drang-Phase überhaupt in einen späteren Lebensabschnitt "verlegen" wird.
Dass Jugendliche fragen werden: "Wozu auflehnen, wozu handeln,..., wozu eigentlich LEBEN?". Dass sie als anfängliche Gratwanderer zwischen Anpassung und Auflehnung abstürzen und vom Netz der Konventionen und Traditionen aufgefangen werden.
Daß sie aber "in  der Mitte ihres Lebens" ihre Pubertät "umso konsequenter" nachholen und in einem Abbruch von oberflächlich Aufgebautem den Aufbruch in ein neues, bewußteres, aktiveres Leben sehen werden.

Nachwort von Prof. Peter R. - 1987

(Ende Juni 1987. In roter Tinte.)

Der Schülerin gelingt eine bemerkenswert reife, inhaltlich konzentrierte Analyse, die auch von eigenständiger stilistischer Gestaltung geprägt wird. Der Kasusfehler und die orthogr. Unsicherheit dürften einer Beurteilung mit Sehr gut nicht entgegenstehen

Nachwort des Elementes - 2005

(Sommer 2005)

*TaschentuchRaushol* *ErschüttertSei* Ich habe immer schon gewusst, dass ich ein von der Geschichte völlig unterbewerteter Vordenker bin!!

Würde ich es heute noch schaffen, in einer kurzen Zeit ohne Google, Rumzappen und Ablenkungen einen vernünftigen Text zu schreiben? Aber: Ist dieser Text vernünftig? Und die Antwort gibt diese Website ja ohnehin...

Nachwort des klugscheißerischen Über-Ichs des Elementes - 2122

(Wahrscheinlich Sommer 2005. Pseudo-lustig in die Zukunft datiert.)

Die Autorin erzeugt durch Verwendung eindringlicher, aber vielleicht doch etwas abgegriffener Metaphern ein Gefühl der Dringlichkeit. Der Arbeit ist durchzogen von der Ernsthaftigkeit und Unerbittlichkeit, die jungen Schreibern eigen ist - wir werden erinnert an den "Schüler Gerber" des jungen Torberg, vermissen aber das tatsächliche Anliegen. Und der geneigte Leser fragt sich: Und was ist hier eigentlich so dringend? Und am Ende entlässt uns Stangl mit dem Ausblick auf eine als düster gezeichnete Zukunftsoption, die faktisch als Positivum formuliert wird.

Was also können wir heute daraus lernen - von einem tiefen Einblick in die Seele der "Generation X" bzw. ihrem altklugen, sich als intellektuell verstehenden Teil? Z.B.: Dass es uns nicht wundern muss, wenn diese Generation unstet ihren Weg durch das Leben sucht und in der objektiven Fülle unterschiedlichster Arbeits- und Lebensentwürfe keine Erfüllung findet? Dass diese Generation in ihren intellektuell glanzvollsten Ausprägungen zeitgeistige Pop-Literatur mit sarkastischen Untertönen hervorbringt? Wir denken an Douglas Coupland (Generation X), ohne die seine Bücher durchwebende hoffnungsvolle Liebe zu seinen Figuren der Generation X zu bemerken. Dann vielleicht eher doch: Florian Illies (Generation Golf) und Scott Adams (Dilbert-Cartoons)

Zu guter Letzt - undatiert

(Das Datum ist so unklar wie der Sinn dieses Abschnittes)

;-)))))
(Das gab es 1987 noch nicht)

Aber schrieb Scott Adams nicht auch: God's Debris?

Good-bye and thanks for the fish (Douglas Adams)

Persönliche Website von Elke Stangl, Zagersdorf, Österreich, c/o punktwissen.
elkement [ät] subversiv [dot] at.